Mittwoch, 29. April 2009

Increíble, lo sé

Es ist ein kleines Wunder geschehen. Nein, es hat nichts mit Blinden zu tun, die plötzlich wieder sehen können oder Gelähmten, die wieder laufen können, aber es ist mindestens ebenso spektakulär. Denn ich habe es geschafft, es war hart, es hat mich Schweiß, Tränen und Blut gekostet, aber nun halte ich es stolz in meinen Händen: Mein neues Praktikum. Es glänzt und funkelt in der Sonne, es fühlt sich gut an und es kann sogar Deutsch sprechen. Mein neuer Arbeitgeber heißt ab sofort


Vorgestern hatte ich ein Vorstellungsgespräch, gestern meinen ersten Tag. Die einzige deutschsprachige Zeitung in Argentinien erscheint jeden Samstag und "versucht heute, seinen Lesern eine möglichst umfangreiche Information über das Weltgeschehen mit Schwerpunkt auf deutschsprachigen Ländern zu liefern. Sie informiert zudem in kommentierender Form über die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Argentinien", so die Eigendarstellung. Wer jetzt wettern will "Mensch Kindchen, die deutschen Zeitungen in Lateinamerika sind doch alles verkappte Naziblättchen", dem empfehle ich den Text Wir über uns auf der Internetpräsenz zu lesen. Allen anderen eigentlich auch, die Zeitung hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Dreimal in der Woche arbeite ich also nun dort, mein anderes Praktikum führe ich weiter, hab da ja eh fast nichts zu tun. Am Donnerstag mache ich, wenn alles gut geht (hier weiß man ja nie), meinen ersten Termin auf der Buchmesse, Henning Mankell wird übrigens auch da sein...


Psssst: Neue Fotos

Freitag, 17. April 2009

cada vez un paso más

Seit gestern kann ich aus meinem dunklen Loch kriechen, mich der Welt mitteilen, teilhaben an dem großen Ganzen, die Augen öffnen, das Schweigen brechen... ja, also ich habe wieder Internet (die Theatralik und ich sind in meinen Zeilen schon echt gute Freunde geworden). Hach ist das schön. Zur Perfektion fehlt zwar noch ein kleiner Schritt, das Kabel hat nämlich einen Wackelkontakt und ist deswegen äußerst elegant und visuell anspruchsvoll mit Klebeband zum Verharren verdammt worden. Jeder gute Journalist schreckt jetzt auf und schreit: "Sie schreibt im Passiv! Hat sie denn nichts gelernt?! Aktiv, aktiv, aktiv lautet die Devise!" Recht hat er. Doch das Kabel wurde nicht durch mich mit Hilfe eines Klebebandes zum Verharren verdammt. Nein. Ich wohne hier nämlich nicht allein. Sondern zu zweit. Ja, ich hab mir gedacht, ich lass die Bombe jetzt einfach platzen, Schluss mit der Geheimniskrämerei, ich sag's jetzt einfach, da hält mich jetzt keiner mehr von ab, einfach so, ohne großes Tamtam, erzähl ich's euch ganz einfach, das hätte keiner gedacht, aber so bin ich, ich sag's ganz leicht frei raus, da brauch ich nicht groß drumrumzureden, nein nein, so bin ich ja nicht, wenn ich was sagen will dann sag ich's und basta, ganz schlicht... Ich wohne hier mit meinem Freund. (hier schiebe ich eine Pause für eventuelle Reaktionen ein, gerne darf der geneigte Leser hier ein "oooh" oder auch "aaah" verlauten lassen, ganz nach Belieben.) Gut, einige von euch wussten das schon, die dürfen das "oooh" oder auch "aaah" dann gerne weglassen, wär ja irgendwie übetrieben. Ja, wie ihr seht ist der soziale Anschluss auf dem anderen Kontinent geglückt. Er ist Kolumbianer und ich habe ihn direkt an meinem ersten Tag (Freitag der 13., uuuhh...) hier kennengelernt.
So, jetzt kann ich auch die Wohnungsführung mit euch machen, wie hätte ich sonst das Doppelbett erklären sollen?
Voilá, willkommen im Schlafzimmer. die Wohnung ist voll ausgestattet mit Möbeln und allem Schnick-Schnack, Bettlaken und so'n Kram. Das helle mit den Streifen rechts im Bild ist der Balkon. Hab ich schon erwähnt, dass wir im 10. (!!!) Stock wohnen? Ja richtig, Svenja war die mit der ausgeprägten Höhenangst. Aber ich kämpfe. Ha! Ich kann mittlerweile schon ohne Angstattacken runtergucken, sooo hoch ist das ja gar nicht...
Wenden wir den Blick ab von diesem Schrecken (gut, für euch war's nur weiß mit Streifen) und betreten wir die Nass-Zone. Überwältigendes Design empfängt den Gast am Waschbecken. Der Hersteller löste sich von der allgemein verbreiteten ovalen Form, und entwarf (sicherlich vom Kubismus inspiriert) dieses rechteckige Schmuckstück. Die mediterrane Farbgebung der Fliesen verleiht dem Raum Wärme, wenn das Wasser es nicht mehr tut. Zur Rechten ein Bidet, das war mir besonders wichtig bei der Wohnungssuche, nicht ohne Bidet! Mit der Toilette (hier nicht im Bild) kann man fliegen, Musik hören und Ping-Pong spielen. Wirklich schade, dass die nicht mehr auf's Foto gekommen ist.

Treten wir nun einen Schritt zurück und wenden unseren Gang nach links. Hier, verehrte Gäste, betreten wir das Wohn- und Esszimmer. Wer genau hingesehen hat wird gemerkt haben, dass auch hier wieder ein Balkon ungeahnte Weiten öffnet (jaja, 10. Stock). Schlafsofa, Fernseher, geräumiger Kühlschrank, Sitzwürfel und ein ovaler Esstisch (der Hersteller löste sich hier von der allgemein verbreiteten rechteckigen Form...) bieten Wohnkomfort in Hülle und Fülle. Die blaue Wand ist eigentlich ein riesengroßes Fenster und zeigt den strahlend blauen Himmel.
Gehen wir nun an der Wohnungstür vorbei, und biegen wir nach links in die Küche ab. Fröhliche Rot- und Orangetöne schreien einem hier die Lebensfreude ins Gesicht, das Kochen wird zum reinsten Fest. Neben allen nötigen Kochutensilien beherbergt die fröhliche kleine Küche auch eine Mikrowelle, womit ich meinen Luxuspunkt in Hannover überschritten hätte. Der Gasherd jagte mir zu Anfang mächtig Angst ein, mittlerweile zündel ich aber todesmutig mit einem Feuerzeug daran herum, die Speisen wollen erhitzt werden!
Wir wären nun am Ende unserer Führung angelangt, ich hoffe es hat ihnen abermals bei uns gefallen. Ein paar Kleinigkeiten müssen noch gerichtet werden, der Vermieter ist Stammgast bei uns und repariert jedes Mal ein bisschen mehr. Man könnte das auch alles auf einmal machen, aber das wär ja langweilig. So haben wir im Moment kein Licht mehr im Wohnzimmer, dafür aber mittlerweile in der Küche, eine Rollade zeigt sich noch störrisch und die Badezimmertür hat manchmal Lust von alleine aufzugehen, aber nicht mehr so sehr wie am Anfang, ein kleines bisschen ist sie schon repariert.

Sonntag, 5. April 2009

San Telmo, ¡ya vengo!

Ich lebe wieder. Gut, bis jetzt wusstet ihr nicht, dass ich das nicht getan habe. Ganz so schlimm war's auch nicht, ich übertreibe nunmal gern. Ich war krank (ja, an dieser Stelle darf ruhig ein mitleidiges Gesicht aufgesetzt werden). Ich gehe besser nicht zu weit in die Details, ich will euch nicht schocken. Jaja, ich habe gelitten. Aber ich lebe. Also konnte ich endlich wieder raus in die Sonne (man war das hell am Anfang!) und das liebe Leben genießen. Wie schön. Heute zog es mich zum Beispiel nach Recoleta zusammen mit Max und Tim, meinen zwei neuen Mitbewohnern. Friedhof (Grab von Evita nicht gefunden, hmpf), Markt (stark geblieben und nichts gekauft), Café (mmh, Eiskaffee) und Open-Air-Konzert (am Sonntag Standard hier).
Aber was eigentlich viel interessanter ist: Morgen ziehe ich um! Jaha, klammheimlich hab ich mir eine neue Bleibe gesucht und nix erzählt. Der Krieg gegen die Agentur ist gewonnen, ich bekomme den Rest meiner Miete zurück. Zu Beginn wollten sie das noch nicht so ganz einsehen, aber dann hab ich da mal angerufen und ordentlich auf den Tisch gehauen und zack haben die den Schwanz eingezogen! Ich kann ja auch echt angsteinflößend sein, manchmal fürchte ich mich vor mir selbst. Jetzt sind die Koffer gepackt und warten auf ihren Umzug nach San Telmo. DAS Viertel. Altstadt, viele Bars, schicke Läden, jeden Sonntag Riesenmarkt, Straßenmusiker, Künstler, Clubs... und ich! Selbstverständlich werde ich wieder eine Wohnungsbesichtigung mit euch machen, damit ihr auch wisst, wo ich die nächsten Monate hausen werden. Dann gibt's auch mehr Details zu der Unterkunft.
Ein neues Praktikum gibt es wegen Krankheit und Wohnungssuche immer noch nicht. Ab nächster Woche stürze ich mich dann wieder auf die Suche. Von meinem jetzigen Praktikum habe ich schon seit über einer Woche nichts mehr gehört..., naja, ich lasse das mal unkommentiert.
Heute Abend geht's wahrscheinlich wieder ins Kino. Heute ist der letzte Tag des BAFICI, Filmfestival für cine independiente. In der ganzen Stadt zeigen verschiedene Kinos oder Museen Filme aus der ganzen Welt, natürlich auch viele aus Argentinien. Drei Filme habe ich schon gesehen, aber nur einen fand ich richtig gut. Letzte Chance für das Festival mich nochmals zu begeistern.