
tranquilo - Am Donnerstagabend konnte ich dann nach der Redaktionsarbeit (Korrekturlesen, Kürzen und Überschriften finden) zur Buchmesse und zu Henning Mankell. Dank Einladung kam ich umsonst rein, dann musste ich bloß noch auf dem Riesengelände den richtigen Saal finden. Bei mehr als 1500 Ausstellern und insgesamt 1,2 Millionen Besuchern war das dann doch nicht so leicht, wie zunächst angenommen. Nach mehrfachem Durchfragen, Durchqueren von zahlreichen Hallen, Gängen, Türen und Plätzen und einem ausartenden Fußmarsch habe ich es aber dann doch geschafft. Was ich bisher in meinen Artikeln vielleicht noch nicht erwähnt habe: Buenos Aires ist die Stadt der Schlangen. Egal was, egal wo, überall treffe ich auf riesige Warteschlangen (selbst im Kino!), die ständig länger statt kürzer werden. Noch nie habe ich so langsame Supermarktkassiererinnen gesehen und dazu so entspannt wartende Kunden. Ein Phänomen. Ich schweife ab, worauf ich hinaus wollte: Vor dem Saal war so eine Monsterschlange, die weit bis nach draußen führte. Ich habe mich gegen die Schlange und für die Messe entschieden. Nachdem ich mich also bis zur Saalöffnung durch die Bücherstände geschmökert hatte, konnte ich nach der Meute ohne zu warten rein. Die Leute sind schon blöd. Naja, die Rede von Mankell war dann echt interessant, obwohl sie sich sehr mit seinen vorigen Reden glich. Aber ein netter Kerl, der Henning. Und für mich ein netter erster Termin.
ruidoso - 1. Mai, Tag der Arbeit. In Deutschland schwingt das Volk sich auf's Rädchen und isst 'ne Bratwurst, hier geht das Volk auf die Straße und demonstriert. Da der Argentinier ja ein bisschen feuriger als der durchschnittliche Deutsche ist, fallen die Demonstrationen auch etwas feuriger aus (keine Angst, nicht wörtlich nehmen). Ich fand mich also gestern auf dem Plaza de Mayo zwischen tausenden Demonstranten wieder, die mit lauten Sprechchören den Staat anprangerten. Trommeln, Lautsprecherdurchsagen, Knallen. Ein Meer aus hunderten Bannern und Plakaten wogte auf dem Platz, vom Casa Rosada (Regierungssitz) durch Metallzäune und Polizistenketten getrennt. An kleinen Ständen wurden Bücher über den Sozialismus verkauft, Marx und Engels, Che Guevara und Ähnliche dominierten die Buchdeckel. Viele Linksparteien riefen zur Revolution auf und forderten auf Flugblättern die Wahlverweigerung: Primero el trabajo, despues votamos - Zuerst die Arbeit, dann wählen wir. Auf Plakaten wurden Fotos von Vermissten in die Höhe gerissen, die während der Militärdikatur "verschwanden".
Mehr Fotos findet ihr bei meinen Picasa-Alben.
Von wegen friedlicher und Bratwurst essen ;-) Als ich gegen 2 Uhr durch die Schanze lief, wuselte es von zig PolizeiLKWs "Achtung, Achtung- hier sprciht die Polizei, bitte verlassen sie unverzüglich die Susannenstraße in Rictung Altonaer Straße!" und es rannte jede Menge Leute davon. Gestern sah ich dann in den Nachrichten, dass sie mit Steinen geworfen haben, sogar versucht haben, Gehwegplatten zu lösen und zu werfen...Wasserstrahler.
AntwortenLöschenDagegen ist Bücher verkaufen doch sehr harmonisch ;-)