Montag, 18. Mai 2009

dos días con las cataratas

Für zwei Tage habe ich Hochhäuser, Autolärm und Menschenmengen gegen Dschungel, Wassergetöse und Tierchen getauscht. Ich bin immer noch total beeindruckt, sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Fast wäre mir dieses Paradies verwehrt geblieben, meine Eltern packte kurz vor knapp die Angst vor Gelbfieber. Also redete ich mir den Mund fusselig, lies mir von den verschiedensten Leuten versichern, dass eine Impfung wirklich nicht nötig ist, setzte abwechselnd Hundeblick und traurigen Blick auf und verwies immer wieder auf die Schönheit, die sie verpassen würden. Und ich siegte! Statt Impfung gab's dann Mückencreme, die kleinen Biester übertragen das Gelbfieber nämlich.
Die Nacht von Montag auf Dienstag fuhren wir 17 Stunden mit dem Bus zum Drei-Länder-Eck (Argentinien, Brasilien und Paraguay), wo das Wasser so schön plätschert. Die Reisebusse hier sind der absolute Luxus: Die Sitze sind breit und urst bequem, lassen sich fast ganz zurückklappen und haben eine Fußablage. Ich hab geschlafen wie ein Baby. Lag vielleicht auch am Wein, den gab's zum Essen, wie im Flugzeug. Dazu Filmchen, und zack schon waren wir da. Von der argentinischen Stadt Puerto Iguazú fuhren wir nach Foz de Iguazú in Brasilien, wo unser Hotel war. Kurz frisch machen und ab zu den Fällen, unser Zeitplan war straff.
Die brasilianische Seite bietet den Panoramablick, während man auf der argentinischen Seite näher rankommt. Wir folgten der allgemeinen Empfehlung zuerst die brasilianische Seite zu besuchen. Direkt am Anfang des Weges begrüßte uns eine Nasenbärfamilie. Weil wir vor einer chinesischen Reisegruppe flüchten mussten (die sind wirklich überall), konnten wir leider nicht weiternäseln, doch schon um die nächste Ecke trafen wir Familie 2 und 3. Der Vorwitzigste schmiss sich in einen Mülleimer, machte einen Heidenlärm und kam mit... Trommelwirbel... einer Plastiktüte und stolzgeschwellter Brust wieder raus. Wow. Eine Plastiktüte, da wird sich die Familie ja freuen. Unsere Aufmerksamkeit wurde von besagtem Panoramablick abgelenkt, und unsere Fotoapparate schwenkten von den possierlichen Tierchen auf das imposante Naturschauspiel. Um jede Ecke lauerte eine neue Ansicht- Wasserfall von links, von rechts, fern und immer näher, immer näher zum Herzstück, zur garganta del diabolo, zum Teufelsschlund. Es floss gerade weniger Wasser als normalerweise, weswegen man wohl irgendwie mehr sah und näher rankam, wie man uns sagte. Der Teufelsschlund bestach durch seine Imposanz und den Regenbogen vom Spritzwasser, ich konnte meinen Blick (und meine Kamera) nicht abwenden. Nur ab und an wechselte ich von Weitwinkel auf Super-Makro, um einen der vielen Schmetterlinge abzulichten. Am Abend waren wir völlig fertig,- Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und lange Fußmärsche sind eine tödliche Mischung.
Am nächsten Tag besichtigten wir dann die argentinische Seite. Fast wären wir nicht reingekommen, unsere Karten funktionierten in Brasilien nicht und der einzige Geldautomat auf der argentinischen Seite war kaputt. Na großartig! Zum Glück hatten meine Eltern noch ein paar Euros dabei, die wir dann bei einem Typ wechseln konnten, der das eigentlich gar nicht durfte. Unser Weg führte uns direkt zum Teufelsschlund durch eine atemberaubend schöne Landschaft. Wenige Meter entfernt von einem der größten Wasserfälle der Welt zu stehen (man streitet ob die Niagarafälle oder die Iguazúfälle die Größten sind) fühlt sich erhebend an. Das laute Tosen, die herabstürzenden Wassermassen, das Spritzwasser im Gesicht, da fühlt man sich lebendig! Nachdem wir uns endlich von diesem Anblick losreißen konnten, marschierten wir durch den tiefsten Dschungel zur Bootsanlegestelle. Und wo geht mir meine Tasche kaputt? Nicht in der Stadt, wo ich die ganze Zeit bin. Nein, natürlich genau dort im Dschungel, wo nichts ist außer Bäumen, Pflanzen und Tieren. Was soll's, das Boot rief. Und es fuhr mich direkt in den zweitgrößten Wasserfall, mitten rein! Pitsche-patsche nass kehrte ich an Land zurück, wo meine Eltern mich mit einem süffisanten Grinsen erwarteten. Egal, ich war glücklich. Und ich bin es immer noch.
(Fotos bei Picasa)

3 Kommentare:

  1. Liebe Svenni, was du alles erlebst- schon beim Lesen kann ich mir vorstellen, wie toll und beeindruckend das alles ausgesehen haben muss! Und du hast das Wort urst benutzt, da hab ich mich sehr gefreut ;-)
    Wie lange bleibt deine Familie noch bei dir?

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  2. nicht schlecht, nicht schlecht! Aber hier ist es auch arg nett...

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  3. Du kannst uns nicht neidisch machen..nein kannst du nicht..*verzweifelt einreden, dann klappt das* ;-)

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