Freitag, 5. Juni 2009

besada de felizidad

In den letzten Wochen wurde ich schmerzhaft daran erinnert, dass selbst Buenos Aires nicht nur aus sengender Hitze und strahlendem Sonnenschein besteht. Nein, auch hier verkriecht sich das Quecksilber, eine frische Brise zieht auf und gelegentlich findet auch der ein oder andere Wassertropfen seinen Weg auf lateinamerikanischen Boden. Sehr zu meinem Leidwesen. Ich wurde einfach nicht für die Kälte gemacht. Wäre ich ein Tier, dann würde ich in subtropischen Zonen auf sonnenbeschienen Ästen dösen, in Wäldern der ewigen Wärme... Stattdessen muss ich mich nun mit dem Herbstanfang abfinden, und das war in den letzten Wochen mit kaputter Heizung wie ein Stoß ins kalte Wasser. Aber das Leiden hat ein Ende: Der liebe Vermieter hat sich heute erbarmt, den kleinen weißen Kasten zu reparieren, sehr zur Freude meiner Eiszehen. Und heute scheint auch die Sonne in einem strahlend blauen Himmel, die Welt ist schön.
Und hier noch ein weiterer Grund zur Heiterkeit: Ich habe mir noch ein drittes Praktikum an Land gezogen! Man erinnere sich schwach an die dunklen Zeiten, als ich verzweifelt einen Wust von Bewerbungen abschickte, mit trüben Augen Zeitschriftenstände durchwühlte, immer auf der Suche nach einem barmherzigen Arbeitgeber. Jetzt habe ich eine Antwort bekommen. Antwortgeber: Art director von La Mano, einer Musikzeitschrift, die sich vom Einheitsbrei abheben will, und damit ungewollt Designtrends vorgegeben hat.
Da konnte ich natürlich nicht wiederstehen. Also bin ich hingedüst, so weit raus, dass noch nichtmal mehr die Subte hinfährt, aber egal, ich hatte Blut geleckt. Dort angekommen erinnerte ich mich wieder, dass es keine Redaktion gab, also fand ich mich im Wohnzimmer des Art Directors wieder. Nettes Gespräch, Käffchen, Arbeitsproben zeigen, Musik hören, Fragen, Antworten, Erfolg. Keine festen Arbeitszeiten, ich kann viel von zu Hause machen, eigene Ideen einbringen, schreiben, fotografieren und designen. Ich bin vom Glück geküsst!
Beim Argentinischen Tageblatt bin ich aber nach wie vor mehr als zufrieden. Kulturjournalismus ist schon was feines; Ausstellungen, Messen, Interviews, Filmkritiken- da verbindet sich Arbeit mit Vergnügen. Einige meiner Artikel werden zusätzlich noch auf kunstinargentinien.com veröffentlicht, der Kunstseite meiner Chefin. Von meinem anderen Praktikum habe ich seit ewig und drei Tagen nichts mehr gehört, egal, das Zertifikat hab ich!
Gestern habe ich einer Schulklasse Rede und Antwort zu Deutschland, Journalismus, meiner Reise, und allem und nichts gestanden. Circa dreißig kleine Mediziner (tut mir Leid, aber diese Schuluniform lässt wirklich keine andere Assoziation zu) quetschten mich und meine Praktikumskollegin Dorothee bis zum letzten Tropfen aus, hörten mit großen Augen zu und plauderten aus ihrem eigenen Leben. Sehr aufgeweckt, sehr interessiert. Wie ist denn die Meinung in Deutschland zu den politischen Systemen in Lateinamerika? Ääähh, Doro, willst du nicht antworten? Dann wieder eine Frage zum Entspannen: Wie findet ihr die Pizza hier? (fettig und phantasielos, ich hab's mal weise lächelnd für mich behalten) Danach dann kurz die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Deutschland beschreiben- die Themensprünge waren abenteuerlich. Aber es war nett, Schlussfrage: Fühlst du dich hier wohl? Ja.

5 Kommentare:

  1. aber dass die Pizza hier fettig ist kam von ihnen!

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  2. Wow, jetzt geht es aber Schlag auf Schlag mit deinen Praktika in Argentinien. Toll, ich wünsche dir viel Glück und viel Spaß beim Musikmagazin. Schreib doch vielleicht etwas über die deutsche Musikszene?
    Liebe Grüße, Marcus

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  3. Quasi schon geschehen, habe einen Artikel über eine Nacht in Hannover geschrieben, "Béi Chéz Heinz" als Protagonist! :-)

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  4. :-) Dafür solltest du "Bei Chéz Heinz" Getränke-umsonst-für-immer, bekommen!

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  5. under my umbrella ella eh eh- kaum zu fassen, aber heute regnet es in Hamburg nicht :-) yay

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