Sonntag, 24. Mai 2009

despedida, arte y música

Meine Eltern sind seit vergangenem Dienstag wieder weg. Die Zeit ging unglaublich schnell um, aber wir haben sie gut genutzt. Mama hat aufgrund bereits erwähnter Tiefstpreise ordentlich zugeschlagen, und so kam es, dass ein paar Täschchen mehr zurückflogen, als ursprünglich gekommen waren. Papa entdeckte den elektronischen Tango für sich, und auch das Töchterchen ging nicht mit leeren Händen aus den Läden. Der Abschied fiel nicht ganz leicht, aber kein Vergleich zum Abschied damals (ich musste das Wort einfach benutzen, ist ja auch schon was her) am Frankfurter Flughafen.
Seit ihrer Abreise habe ich meine ganze Aufmerksamkeit natürlich wieder dem Praktikum gewidmet. Es gab eine Menge zu tun, und ich konnte echt interessante Termine machen. Der beste: die arteBA´09. Das ist eine, nein DIE Kunstmesse Lateinamerikas, auf der über 800 Aussteller ihre besten Kunstwerke präsentieren. Mit meinem neon-orangenen Presseausweis konnte ich so oft hin, wie ich wollte. Auch wenn ich mir keinen zeitgenössischen Schinken gekauft habe, war ich begeistert von dem Angebot und der Atmosphäre. Da hat es echt Spaß gemacht, Menschen zu beobachten. Hier mal eine Szene als Kostprobe:
Zwei Damen stehen vor einer Strick-Skulptur, bei der lange, wulstige Bänder aus runden, undefinierbaren Bildern kommen.
Dame1 zu Dame2 (sinngemäß übersetzt): Das sind Vaginas, nicht wahr? (dabei konzentrierter Blick)
Dame2 zu Dame1: Ja, Vaginas.
Pause.
Dame1: Sehr schön.
Beide gehen mit konzentriertem Blick weiter.
Na klar, Vaginas, dass ich da nicht drauf gekommen bin! So wie alles Längliche gleich ein Phallussymbol ist. Klar.
Gestern war ich auf einem Gratis-Open-Air-Konzert am Obelisken, und der Rest von Buenos Aires war auch da. So viele Menschen! Die Musik war der Hammer: Zuerst spielte La Bomba de Tiempo, eine saugute Trommelgruppe, und etwas später Bajofondo, elektronischer Tango vom Feinsten. Ganz Buenos Aires tanzte auf der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt, was für ein Gefühl!

Montag, 18. Mai 2009

dos días con las cataratas

Für zwei Tage habe ich Hochhäuser, Autolärm und Menschenmengen gegen Dschungel, Wassergetöse und Tierchen getauscht. Ich bin immer noch total beeindruckt, sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Fast wäre mir dieses Paradies verwehrt geblieben, meine Eltern packte kurz vor knapp die Angst vor Gelbfieber. Also redete ich mir den Mund fusselig, lies mir von den verschiedensten Leuten versichern, dass eine Impfung wirklich nicht nötig ist, setzte abwechselnd Hundeblick und traurigen Blick auf und verwies immer wieder auf die Schönheit, die sie verpassen würden. Und ich siegte! Statt Impfung gab's dann Mückencreme, die kleinen Biester übertragen das Gelbfieber nämlich.
Die Nacht von Montag auf Dienstag fuhren wir 17 Stunden mit dem Bus zum Drei-Länder-Eck (Argentinien, Brasilien und Paraguay), wo das Wasser so schön plätschert. Die Reisebusse hier sind der absolute Luxus: Die Sitze sind breit und urst bequem, lassen sich fast ganz zurückklappen und haben eine Fußablage. Ich hab geschlafen wie ein Baby. Lag vielleicht auch am Wein, den gab's zum Essen, wie im Flugzeug. Dazu Filmchen, und zack schon waren wir da. Von der argentinischen Stadt Puerto Iguazú fuhren wir nach Foz de Iguazú in Brasilien, wo unser Hotel war. Kurz frisch machen und ab zu den Fällen, unser Zeitplan war straff.
Die brasilianische Seite bietet den Panoramablick, während man auf der argentinischen Seite näher rankommt. Wir folgten der allgemeinen Empfehlung zuerst die brasilianische Seite zu besuchen. Direkt am Anfang des Weges begrüßte uns eine Nasenbärfamilie. Weil wir vor einer chinesischen Reisegruppe flüchten mussten (die sind wirklich überall), konnten wir leider nicht weiternäseln, doch schon um die nächste Ecke trafen wir Familie 2 und 3. Der Vorwitzigste schmiss sich in einen Mülleimer, machte einen Heidenlärm und kam mit... Trommelwirbel... einer Plastiktüte und stolzgeschwellter Brust wieder raus. Wow. Eine Plastiktüte, da wird sich die Familie ja freuen. Unsere Aufmerksamkeit wurde von besagtem Panoramablick abgelenkt, und unsere Fotoapparate schwenkten von den possierlichen Tierchen auf das imposante Naturschauspiel. Um jede Ecke lauerte eine neue Ansicht- Wasserfall von links, von rechts, fern und immer näher, immer näher zum Herzstück, zur garganta del diabolo, zum Teufelsschlund. Es floss gerade weniger Wasser als normalerweise, weswegen man wohl irgendwie mehr sah und näher rankam, wie man uns sagte. Der Teufelsschlund bestach durch seine Imposanz und den Regenbogen vom Spritzwasser, ich konnte meinen Blick (und meine Kamera) nicht abwenden. Nur ab und an wechselte ich von Weitwinkel auf Super-Makro, um einen der vielen Schmetterlinge abzulichten. Am Abend waren wir völlig fertig,- Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und lange Fußmärsche sind eine tödliche Mischung.
Am nächsten Tag besichtigten wir dann die argentinische Seite. Fast wären wir nicht reingekommen, unsere Karten funktionierten in Brasilien nicht und der einzige Geldautomat auf der argentinischen Seite war kaputt. Na großartig! Zum Glück hatten meine Eltern noch ein paar Euros dabei, die wir dann bei einem Typ wechseln konnten, der das eigentlich gar nicht durfte. Unser Weg führte uns direkt zum Teufelsschlund durch eine atemberaubend schöne Landschaft. Wenige Meter entfernt von einem der größten Wasserfälle der Welt zu stehen (man streitet ob die Niagarafälle oder die Iguazúfälle die Größten sind) fühlt sich erhebend an. Das laute Tosen, die herabstürzenden Wassermassen, das Spritzwasser im Gesicht, da fühlt man sich lebendig! Nachdem wir uns endlich von diesem Anblick losreißen konnten, marschierten wir durch den tiefsten Dschungel zur Bootsanlegestelle. Und wo geht mir meine Tasche kaputt? Nicht in der Stadt, wo ich die ganze Zeit bin. Nein, natürlich genau dort im Dschungel, wo nichts ist außer Bäumen, Pflanzen und Tieren. Was soll's, das Boot rief. Und es fuhr mich direkt in den zweitgrößten Wasserfall, mitten rein! Pitsche-patsche nass kehrte ich an Land zurück, wo meine Eltern mich mit einem süffisanten Grinsen erwarteten. Egal, ich war glücklich. Und ich bin es immer noch.
(Fotos bei Picasa)

Montag, 11. Mai 2009

visita de mis padres

Seit Montag sind meine Eltern da. Man war das anfangs komisch die plötzlich in Buenos Aires auf der Straße stehen zu sehen! Dann wurde es aber ziemlich schnell normal und schön natürlich auch. Die letzten Tagen habe ich also mit dolmetschen und herumführen verbracht, das bunte Touristenführer-Fähnchen hab ich aber weggelassen. Jetzt lern ich auch mal die nicht ganz so spottbilligen (obwohl immer noch im Vergleich zu Deutschland billigen) Restaurants kennen und lass mich fein einladen. Nett. Gleich düsen wir 17 Stunden mit so 'nem Luxusreisebus nach Iguazú zu den Wasserfällen, Donnerstagmorgen beglücken wir dann wieder die Hauptstadt. Mehr dazu gibbet dann später, muss mich mal auf den Weg zum Busbahnhof machen, sonst fällt das Wasser ohne mich!

Samstag, 2. Mai 2009

tranquilo y ruidoso


tranquilo - Am Donnerstagabend konnte ich dann nach der Redaktionsarbeit (Korrekturlesen, Kürzen und Überschriften finden) zur Buchmesse und zu Henning Mankell. Dank Einladung kam ich umsonst rein, dann musste ich bloß noch auf dem Riesengelände den richtigen Saal finden. Bei mehr als 1500 Ausstellern und insgesamt 1,2 Millionen Besuchern war das dann doch nicht so leicht, wie zunächst angenommen. Nach mehrfachem Durchfragen, Durchqueren von zahlreichen Hallen, Gängen, Türen und Plätzen und einem ausartenden Fußmarsch habe ich es aber dann doch geschafft. Was ich bisher in meinen Artikeln vielleicht noch nicht erwähnt habe: Buenos Aires ist die Stadt der Schlangen. Egal was, egal wo, überall treffe ich auf riesige Warteschlangen (selbst im Kino!), die ständig länger statt kürzer werden. Noch nie habe ich so langsame Supermarktkassiererinnen gesehen und dazu so entspannt wartende Kunden. Ein Phänomen. Ich schweife ab, worauf ich hinaus wollte: Vor dem Saal war so eine Monsterschlange, die weit bis nach draußen führte. Ich habe mich gegen die Schlange und für die Messe entschieden. Nachdem ich mich also bis zur Saalöffnung durch die Bücherstände geschmökert hatte, konnte ich nach der Meute ohne zu warten rein. Die Leute sind schon blöd. Naja, die Rede von Mankell war dann echt interessant, obwohl sie sich sehr mit seinen vorigen Reden glich. Aber ein netter Kerl, der Henning. Und für mich ein netter erster Termin.

ruidoso - 1. Mai, Tag der Arbeit. In Deutschland schwingt das Volk sich auf's Rädchen und isst 'ne Bratwurst, hier geht das Volk auf die Straße und demonstriert. Da der Argentinier ja ein bisschen feuriger als der durchschnittliche Deutsche ist, fallen die Demonstrationen auch etwas feuriger aus (keine Angst, nicht wörtlich nehmen). Ich fand mich also gestern auf dem Plaza de Mayo zwischen tausenden Demonstranten wieder, die mit lauten Sprechchören den Staat anprangerten. Trommeln, Lautsprecherdurchsagen, Knallen. Ein Meer aus hunderten Bannern und Plakaten wogte auf dem Platz, vom Casa Rosada (Regierungssitz) durch Metallzäune und Polizistenketten getrennt. An kleinen Ständen wurden Bücher über den Sozialismus verkauft, Marx und Engels, Che Guevara und Ähnliche dominierten die Buchdeckel. Viele Linksparteien riefen zur Revolution auf und forderten auf Flugblättern die Wahlverweigerung: Primero el trabajo, despues votamos - Zuerst die Arbeit, dann wählen wir. Auf Plakaten wurden Fotos von Vermissten in die Höhe gerissen, die während der Militärdikatur "verschwanden".
Mehr Fotos findet ihr bei meinen Picasa-Alben.

Mittwoch, 29. April 2009

Increíble, lo sé

Es ist ein kleines Wunder geschehen. Nein, es hat nichts mit Blinden zu tun, die plötzlich wieder sehen können oder Gelähmten, die wieder laufen können, aber es ist mindestens ebenso spektakulär. Denn ich habe es geschafft, es war hart, es hat mich Schweiß, Tränen und Blut gekostet, aber nun halte ich es stolz in meinen Händen: Mein neues Praktikum. Es glänzt und funkelt in der Sonne, es fühlt sich gut an und es kann sogar Deutsch sprechen. Mein neuer Arbeitgeber heißt ab sofort


Vorgestern hatte ich ein Vorstellungsgespräch, gestern meinen ersten Tag. Die einzige deutschsprachige Zeitung in Argentinien erscheint jeden Samstag und "versucht heute, seinen Lesern eine möglichst umfangreiche Information über das Weltgeschehen mit Schwerpunkt auf deutschsprachigen Ländern zu liefern. Sie informiert zudem in kommentierender Form über die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Argentinien", so die Eigendarstellung. Wer jetzt wettern will "Mensch Kindchen, die deutschen Zeitungen in Lateinamerika sind doch alles verkappte Naziblättchen", dem empfehle ich den Text Wir über uns auf der Internetpräsenz zu lesen. Allen anderen eigentlich auch, die Zeitung hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Dreimal in der Woche arbeite ich also nun dort, mein anderes Praktikum führe ich weiter, hab da ja eh fast nichts zu tun. Am Donnerstag mache ich, wenn alles gut geht (hier weiß man ja nie), meinen ersten Termin auf der Buchmesse, Henning Mankell wird übrigens auch da sein...


Psssst: Neue Fotos

Freitag, 17. April 2009

cada vez un paso más

Seit gestern kann ich aus meinem dunklen Loch kriechen, mich der Welt mitteilen, teilhaben an dem großen Ganzen, die Augen öffnen, das Schweigen brechen... ja, also ich habe wieder Internet (die Theatralik und ich sind in meinen Zeilen schon echt gute Freunde geworden). Hach ist das schön. Zur Perfektion fehlt zwar noch ein kleiner Schritt, das Kabel hat nämlich einen Wackelkontakt und ist deswegen äußerst elegant und visuell anspruchsvoll mit Klebeband zum Verharren verdammt worden. Jeder gute Journalist schreckt jetzt auf und schreit: "Sie schreibt im Passiv! Hat sie denn nichts gelernt?! Aktiv, aktiv, aktiv lautet die Devise!" Recht hat er. Doch das Kabel wurde nicht durch mich mit Hilfe eines Klebebandes zum Verharren verdammt. Nein. Ich wohne hier nämlich nicht allein. Sondern zu zweit. Ja, ich hab mir gedacht, ich lass die Bombe jetzt einfach platzen, Schluss mit der Geheimniskrämerei, ich sag's jetzt einfach, da hält mich jetzt keiner mehr von ab, einfach so, ohne großes Tamtam, erzähl ich's euch ganz einfach, das hätte keiner gedacht, aber so bin ich, ich sag's ganz leicht frei raus, da brauch ich nicht groß drumrumzureden, nein nein, so bin ich ja nicht, wenn ich was sagen will dann sag ich's und basta, ganz schlicht... Ich wohne hier mit meinem Freund. (hier schiebe ich eine Pause für eventuelle Reaktionen ein, gerne darf der geneigte Leser hier ein "oooh" oder auch "aaah" verlauten lassen, ganz nach Belieben.) Gut, einige von euch wussten das schon, die dürfen das "oooh" oder auch "aaah" dann gerne weglassen, wär ja irgendwie übetrieben. Ja, wie ihr seht ist der soziale Anschluss auf dem anderen Kontinent geglückt. Er ist Kolumbianer und ich habe ihn direkt an meinem ersten Tag (Freitag der 13., uuuhh...) hier kennengelernt.
So, jetzt kann ich auch die Wohnungsführung mit euch machen, wie hätte ich sonst das Doppelbett erklären sollen?
Voilá, willkommen im Schlafzimmer. die Wohnung ist voll ausgestattet mit Möbeln und allem Schnick-Schnack, Bettlaken und so'n Kram. Das helle mit den Streifen rechts im Bild ist der Balkon. Hab ich schon erwähnt, dass wir im 10. (!!!) Stock wohnen? Ja richtig, Svenja war die mit der ausgeprägten Höhenangst. Aber ich kämpfe. Ha! Ich kann mittlerweile schon ohne Angstattacken runtergucken, sooo hoch ist das ja gar nicht...
Wenden wir den Blick ab von diesem Schrecken (gut, für euch war's nur weiß mit Streifen) und betreten wir die Nass-Zone. Überwältigendes Design empfängt den Gast am Waschbecken. Der Hersteller löste sich von der allgemein verbreiteten ovalen Form, und entwarf (sicherlich vom Kubismus inspiriert) dieses rechteckige Schmuckstück. Die mediterrane Farbgebung der Fliesen verleiht dem Raum Wärme, wenn das Wasser es nicht mehr tut. Zur Rechten ein Bidet, das war mir besonders wichtig bei der Wohnungssuche, nicht ohne Bidet! Mit der Toilette (hier nicht im Bild) kann man fliegen, Musik hören und Ping-Pong spielen. Wirklich schade, dass die nicht mehr auf's Foto gekommen ist.

Treten wir nun einen Schritt zurück und wenden unseren Gang nach links. Hier, verehrte Gäste, betreten wir das Wohn- und Esszimmer. Wer genau hingesehen hat wird gemerkt haben, dass auch hier wieder ein Balkon ungeahnte Weiten öffnet (jaja, 10. Stock). Schlafsofa, Fernseher, geräumiger Kühlschrank, Sitzwürfel und ein ovaler Esstisch (der Hersteller löste sich hier von der allgemein verbreiteten rechteckigen Form...) bieten Wohnkomfort in Hülle und Fülle. Die blaue Wand ist eigentlich ein riesengroßes Fenster und zeigt den strahlend blauen Himmel.
Gehen wir nun an der Wohnungstür vorbei, und biegen wir nach links in die Küche ab. Fröhliche Rot- und Orangetöne schreien einem hier die Lebensfreude ins Gesicht, das Kochen wird zum reinsten Fest. Neben allen nötigen Kochutensilien beherbergt die fröhliche kleine Küche auch eine Mikrowelle, womit ich meinen Luxuspunkt in Hannover überschritten hätte. Der Gasherd jagte mir zu Anfang mächtig Angst ein, mittlerweile zündel ich aber todesmutig mit einem Feuerzeug daran herum, die Speisen wollen erhitzt werden!
Wir wären nun am Ende unserer Führung angelangt, ich hoffe es hat ihnen abermals bei uns gefallen. Ein paar Kleinigkeiten müssen noch gerichtet werden, der Vermieter ist Stammgast bei uns und repariert jedes Mal ein bisschen mehr. Man könnte das auch alles auf einmal machen, aber das wär ja langweilig. So haben wir im Moment kein Licht mehr im Wohnzimmer, dafür aber mittlerweile in der Küche, eine Rollade zeigt sich noch störrisch und die Badezimmertür hat manchmal Lust von alleine aufzugehen, aber nicht mehr so sehr wie am Anfang, ein kleines bisschen ist sie schon repariert.

Sonntag, 5. April 2009

San Telmo, ¡ya vengo!

Ich lebe wieder. Gut, bis jetzt wusstet ihr nicht, dass ich das nicht getan habe. Ganz so schlimm war's auch nicht, ich übertreibe nunmal gern. Ich war krank (ja, an dieser Stelle darf ruhig ein mitleidiges Gesicht aufgesetzt werden). Ich gehe besser nicht zu weit in die Details, ich will euch nicht schocken. Jaja, ich habe gelitten. Aber ich lebe. Also konnte ich endlich wieder raus in die Sonne (man war das hell am Anfang!) und das liebe Leben genießen. Wie schön. Heute zog es mich zum Beispiel nach Recoleta zusammen mit Max und Tim, meinen zwei neuen Mitbewohnern. Friedhof (Grab von Evita nicht gefunden, hmpf), Markt (stark geblieben und nichts gekauft), Café (mmh, Eiskaffee) und Open-Air-Konzert (am Sonntag Standard hier).
Aber was eigentlich viel interessanter ist: Morgen ziehe ich um! Jaha, klammheimlich hab ich mir eine neue Bleibe gesucht und nix erzählt. Der Krieg gegen die Agentur ist gewonnen, ich bekomme den Rest meiner Miete zurück. Zu Beginn wollten sie das noch nicht so ganz einsehen, aber dann hab ich da mal angerufen und ordentlich auf den Tisch gehauen und zack haben die den Schwanz eingezogen! Ich kann ja auch echt angsteinflößend sein, manchmal fürchte ich mich vor mir selbst. Jetzt sind die Koffer gepackt und warten auf ihren Umzug nach San Telmo. DAS Viertel. Altstadt, viele Bars, schicke Läden, jeden Sonntag Riesenmarkt, Straßenmusiker, Künstler, Clubs... und ich! Selbstverständlich werde ich wieder eine Wohnungsbesichtigung mit euch machen, damit ihr auch wisst, wo ich die nächsten Monate hausen werden. Dann gibt's auch mehr Details zu der Unterkunft.
Ein neues Praktikum gibt es wegen Krankheit und Wohnungssuche immer noch nicht. Ab nächster Woche stürze ich mich dann wieder auf die Suche. Von meinem jetzigen Praktikum habe ich schon seit über einer Woche nichts mehr gehört..., naja, ich lasse das mal unkommentiert.
Heute Abend geht's wahrscheinlich wieder ins Kino. Heute ist der letzte Tag des BAFICI, Filmfestival für cine independiente. In der ganzen Stadt zeigen verschiedene Kinos oder Museen Filme aus der ganzen Welt, natürlich auch viele aus Argentinien. Drei Filme habe ich schon gesehen, aber nur einen fand ich richtig gut. Letzte Chance für das Festival mich nochmals zu begeistern.