Die Zeit rast, die Tage in Buenos Aires ziehen an mir vorbei, schneller, immer schneller. Langsam neigen sie sich dem Ende, die Tage in dieser wundervollen Stadt. In zwei Wochen beginne ich zu reisen, danach noch Abschied nehmen von der ciudad de la furia, und dann steig ich auch schon in den Flieger.
Aber noch ist es nicht so weit. Die verbleibende Zeit vor der Reise werde ich meine Chefin vertreten, weil die nach Deutschland reist. Das bedeutet also nochmal richtig arbeiten, dafür gibt's dann auch einen Bonus, perfekt für meine Tour! Diese Woche wurde ich in alles eingewiesen, und die nächsten 14 Tage bin ich dann für mehrere Seiten verantwortlich. Nebenbei hüpfe ich immer mal wieder bei La Mano vorbei und lerne designen mit dem alten Bekannten InDesign, den ich nach Visueller Kommunikation doch ziemlich vernachlässigt habe. Einen Text habe ich auch schon zu Papier gebracht, mein Freund der Art Director hat ihn jetzt weitergereicht an den zuständigen Redakteur. Für mein Popelpraktikum hab ich auch wieder geschrieben- ihr seht, ich arbeite fleißig.
So langsam muss ich mir dann auch mal einen Plan machen, wo ich überall hinreisen will. Peru, Bolivien und Norden Argentiniens ist doch etwas grob. Ein paar Pflichtstationen wie Machu Picchu oder Titicaca See und die grobe Route stehen natürlich schon, das müsste dann nur mal vertieft werden. Gegen Gelbfieber hab ich mich jedenfalls schon impfen lassen, sonst lassen sie mich nicht nach Bolivien rein. Handykauf habe ich wieder verworfen, da die meisten nicht in den anderen Ländern funktionieren. Meine neue Visa-Karte wurde mir jetzt nach Hannover geschickt, da liegt sie gut. Schicken Sie mir die neue Karte bitte an folgende Adresse in Argentinien war wohl zu kompliziert. Stattdessen kam jetzt ein Formular per Luftpost, um meine Adresse für die Bank langfristig zu ändern. Na vielen Dank, dann bleib ich eben, ha!
Und zwischen all diesen Dingen sicher ich mir das tollste Souvenir überhaupt.
Samstag, 27. Juni 2009
Montag, 15. Juni 2009
hijo de puta
Alles faselt ununterbrochen von der großen Unsicherheit in Buenos Aires: Mord, Überfall, Polizistenmord, Einbruch..., ich hab schon gar nicht mehr richtig hingehört. Mir passiert schon nichts, dachte ich mir in meiner Naivität. Falsch gedacht. Am Samstagabend wurde ich ausgeraubt. Zwei Typen auf einem Fahrrad rissen mir meine Tasche vom Körper- Riemen kaputt, Tasche weg. Ich bin noch hinterher gerannt, hatte aber natürlich keine Chance. Geld, Kreditkarte, Schlüssel, Handy, I-Pod- alles weg. Nach drei Stunden bei der Polizei und einem kleinen Abenteuer um nach Hause und in die Wohnung zu kommen, war der Horror dann endlich vorbei.
Ich weiß nicht, wann ich an ein neues Handy komme, aber wenn dann würde ich gerne eure Nummern einspeichern. Würde mich freuen, wenn ihr mir die schicken könntet.
Ich weiß nicht, wann ich an ein neues Handy komme, aber wenn dann würde ich gerne eure Nummern einspeichern. Würde mich freuen, wenn ihr mir die schicken könntet.
Freitag, 5. Juni 2009
besada de felizidad
In den letzten Wochen wurde ich schmerzhaft daran erinnert, dass selbst Buenos Aires nicht nur aus sengender Hitze und strahlendem Sonnenschein besteht. Nein, auch hier verkriecht sich das Quecksilber, eine frische Brise zieht auf und gelegentlich findet auch der ein oder andere Wassertropfen seinen Weg auf lateinamerikanischen Boden. Sehr zu meinem Leidwesen. Ich wurde einfach nicht für die Kälte gemacht. Wäre ich ein Tier, dann würde ich in subtropischen Zonen auf sonnenbeschienen Ästen dösen, in Wäldern der ewigen Wärme... Stattdessen muss ich mich nun mit dem Herbstanfang abfinden, und das war in den letzten Wochen mit kaputter Heizung wie ein Stoß ins kalte Wasser. Aber das Leiden hat ein Ende: Der liebe Vermieter hat sich heute erbarmt, den kleinen weißen Kasten zu reparieren, sehr zur Freude meiner Eiszehen. Und heute scheint auch die Sonne in einem strahlend blauen Himmel, die Welt ist schön.
Und hier noch ein weiterer Grund zur Heiterkeit: Ich habe mir noch ein drittes Praktikum an Land gezogen! Man erinnere sich schwach an die dunklen Zeiten, als ich verzweifelt einen Wust von Bewerbungen abschickte, mit trüben Augen Zeitschriftenstände durchwühlte, immer auf der Suche nach einem barmherzigen Arbeitgeber. Jetzt habe ich eine Antwort bekommen. Antwortgeber: Art director von La Mano, einer Musikzeitschrift, die sich vom Einheitsbrei abheben will, und damit ungewollt Designtrends vorgegeben hat.
Da konnte ich natürlich nicht wiederstehen. Also bin ich hingedüst, so weit raus, dass noch nichtmal mehr die Subte hinfährt, aber egal, ich hatte Blut geleckt. Dort angekommen erinnerte ich mich wieder, dass es keine Redaktion gab, also fand ich mich im Wohnzimmer des Art Directors wieder. Nettes Gespräch, Käffchen, Arbeitsproben zeigen, Musik hören, Fragen, Antworten, Erfolg. Keine festen Arbeitszeiten, ich kann viel von zu Hause machen, eigene Ideen einbringen, schreiben, fotografieren und designen. Ich bin vom Glück geküsst!
Beim Argentinischen Tageblatt bin ich aber nach wie vor mehr als zufrieden. Kulturjournalismus ist schon was feines; Ausstellungen, Messen, Interviews, Filmkritiken- da verbindet sich Arbeit mit Vergnügen. Einige meiner Artikel werden zusätzlich noch auf kunstinargentinien.com veröffentlicht, der Kunstseite meiner Chefin. Von meinem anderen Praktikum habe ich seit ewig und drei Tagen nichts mehr gehört, egal, das Zertifikat hab ich!
Gestern habe ich einer Schulklasse Rede und Antwort zu Deutschland, Journalismus, meiner Reise, und allem und nichts gestanden. Circa dreißig kleine Mediziner (tut mir Leid, aber diese Schuluniform lässt wirklich keine andere Assoziation zu) quetschten mich und meine Praktikumskollegin Dorothee bis zum letzten Tropfen aus, hörten mit großen Augen zu und plauderten aus ihrem eigenen Leben. Sehr aufgeweckt, sehr interessiert. Wie ist denn die Meinung in Deutschland zu den politischen Systemen in Lateinamerika? Ääähh, Doro, willst du nicht antworten? Dann wieder eine Frage zum Entspannen: Wie findet ihr die Pizza hier? (fettig und phantasielos, ich hab's mal weise lächelnd für mich behalten) Danach dann kurz die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Deutschland beschreiben- die Themensprünge waren abenteuerlich. Aber es war nett, Schlussfrage: Fühlst du dich hier wohl? Ja.
Und hier noch ein weiterer Grund zur Heiterkeit: Ich habe mir noch ein drittes Praktikum an Land gezogen! Man erinnere sich schwach an die dunklen Zeiten, als ich verzweifelt einen Wust von Bewerbungen abschickte, mit trüben Augen Zeitschriftenstände durchwühlte, immer auf der Suche nach einem barmherzigen Arbeitgeber. Jetzt habe ich eine Antwort bekommen. Antwortgeber: Art director von La Mano, einer Musikzeitschrift, die sich vom Einheitsbrei abheben will, und damit ungewollt Designtrends vorgegeben hat.
Da konnte ich natürlich nicht wiederstehen. Also bin ich hingedüst, so weit raus, dass noch nichtmal mehr die Subte hinfährt, aber egal, ich hatte Blut geleckt. Dort angekommen erinnerte ich mich wieder, dass es keine Redaktion gab, also fand ich mich im Wohnzimmer des Art Directors wieder. Nettes Gespräch, Käffchen, Arbeitsproben zeigen, Musik hören, Fragen, Antworten, Erfolg. Keine festen Arbeitszeiten, ich kann viel von zu Hause machen, eigene Ideen einbringen, schreiben, fotografieren und designen. Ich bin vom Glück geküsst!Beim Argentinischen Tageblatt bin ich aber nach wie vor mehr als zufrieden. Kulturjournalismus ist schon was feines; Ausstellungen, Messen, Interviews, Filmkritiken- da verbindet sich Arbeit mit Vergnügen. Einige meiner Artikel werden zusätzlich noch auf kunstinargentinien.com veröffentlicht, der Kunstseite meiner Chefin. Von meinem anderen Praktikum habe ich seit ewig und drei Tagen nichts mehr gehört, egal, das Zertifikat hab ich!
Gestern habe ich einer Schulklasse Rede und Antwort zu Deutschland, Journalismus, meiner Reise, und allem und nichts gestanden. Circa dreißig kleine Mediziner (tut mir Leid, aber diese Schuluniform lässt wirklich keine andere Assoziation zu) quetschten mich und meine Praktikumskollegin Dorothee bis zum letzten Tropfen aus, hörten mit großen Augen zu und plauderten aus ihrem eigenen Leben. Sehr aufgeweckt, sehr interessiert. Wie ist denn die Meinung in Deutschland zu den politischen Systemen in Lateinamerika? Ääähh, Doro, willst du nicht antworten? Dann wieder eine Frage zum Entspannen: Wie findet ihr die Pizza hier? (fettig und phantasielos, ich hab's mal weise lächelnd für mich behalten) Danach dann kurz die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Deutschland beschreiben- die Themensprünge waren abenteuerlich. Aber es war nett, Schlussfrage: Fühlst du dich hier wohl? Ja.
Sonntag, 24. Mai 2009
despedida, arte y música
Meine Eltern sind seit vergangenem Dienstag wieder weg. Die Zeit ging unglaublich schnell um, aber wir haben sie gut genutzt. Mama hat aufgrund bereits erwähnter Tiefstpreise ordentlich zugeschlagen, und so kam es, dass ein paar Täschchen mehr zurückflogen, als ursprünglich gekommen waren. Papa entdeckte den elektronischen Tango für sich, und auch das Töchterchen ging nicht mit leeren Händen aus den Läden. Der Abschied fiel nicht ganz leicht, aber kein Vergleich zum Abschied damals (ich musste das Wort einfach benutzen, ist ja auch schon was her) am Frankfurter Flughafen.
Seit ihrer Abreise habe ich meine ganze Aufmerksamkeit natürlich wieder dem Praktikum gewidmet. Es gab eine Menge zu tun, und ich konnte echt interessante Termine machen. Der beste: die arteBA´09.
Das ist eine, nein DIE Kunstmesse Lateinamerikas, auf der über 800 Aussteller ihre besten Kunstwerke präsentieren. Mit meinem neon-orangenen Presseausweis konnte ich so oft hin, wie ich wollte. Auch wenn ich mir keinen zeitgenössischen Schinken gekauft habe, war ich begeistert von dem Angebot und der Atmosphäre. Da hat es echt Spaß gemacht, Menschen zu beobachten. Hier mal eine Szene als Kostprobe:
Zwei Damen stehen vor einer Strick-Skulptur, bei der lange, wulstige Bänder aus runden, undefinierbaren Bildern kommen.
Dame1 zu Dame2 (sinngemäß übersetzt): Das sind Vaginas, nicht wahr? (dabei konzentrierter Blick)
Dame2 zu Dame1: Ja, Vaginas.
Pause.
Dame1: Sehr schön.
Beide gehen mit konzentriertem Blick weiter.
Na klar, Vaginas, dass ich da nicht drauf gekommen bin! So wie alles Längliche gleich ein Phallussymbol ist. Klar.
Gestern war ich auf einem Gratis-Open-Air-Konzert am Obelisken, und der Rest von Buenos Aires war auch da. So viele Menschen! Die Musik war der Hammer: Zuerst spielte La Bomba de Tiempo, eine saugute Trommelgruppe, und etwas später Bajofondo, elektronischer Tango vom Feinsten. Ganz Buenos Aires tanzte auf der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt, was für ein Gefühl!
Seit ihrer Abreise habe ich meine ganze Aufmerksamkeit natürlich wieder dem Praktikum gewidmet. Es gab eine Menge zu tun, und ich konnte echt interessante Termine machen. Der beste: die arteBA´09.
Das ist eine, nein DIE Kunstmesse Lateinamerikas, auf der über 800 Aussteller ihre besten Kunstwerke präsentieren. Mit meinem neon-orangenen Presseausweis konnte ich so oft hin, wie ich wollte. Auch wenn ich mir keinen zeitgenössischen Schinken gekauft habe, war ich begeistert von dem Angebot und der Atmosphäre. Da hat es echt Spaß gemacht, Menschen zu beobachten. Hier mal eine Szene als Kostprobe:Zwei Damen stehen vor einer Strick-Skulptur, bei der lange, wulstige Bänder aus runden, undefinierbaren Bildern kommen.
Dame1 zu Dame2 (sinngemäß übersetzt): Das sind Vaginas, nicht wahr? (dabei konzentrierter Blick)
Dame2 zu Dame1: Ja, Vaginas.
Pause.
Dame1: Sehr schön.
Beide gehen mit konzentriertem Blick weiter.
Na klar, Vaginas, dass ich da nicht drauf gekommen bin! So wie alles Längliche gleich ein Phallussymbol ist. Klar.
Gestern war ich auf einem Gratis-Open-Air-Konzert am Obelisken, und der Rest von Buenos Aires war auch da. So viele Menschen! Die Musik war der Hammer: Zuerst spielte La Bomba de Tiempo, eine saugute Trommelgruppe, und etwas später Bajofondo, elektronischer Tango vom Feinsten. Ganz Buenos Aires tanzte auf der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt, was für ein Gefühl!
Montag, 18. Mai 2009
dos días con las cataratas
Für zwei Tage habe ich Hochhäuser, Autolärm und Menschenmengen gegen Dschungel, Wassergetöse und Tierchen getauscht. Ich bin immer noch total beeindruckt, sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Fast wäre mir dieses Paradies verwehrt geblieben, meine Eltern packte kurz vor knapp die Angst vor Gelbfieber. Also redete ich mir den Mund fusselig, lies mir von den verschiedensten Leuten versichern, dass eine Impfung wirklich nicht nötig ist, setzte abwechselnd Hundeblick und traurigen Blick auf und verwies immer wieder auf die Schönheit, die sie verpassen würden. Und ich siegte! Statt Impfung gab's dann Mückencreme, die kleinen Biester übertragen das Gelbfieber nämlich.
Die Nacht von Montag auf Dienstag fuhren wir 17 Stunden mit dem Bus zum Drei-Länder-Eck (Argentinien, Brasilien und Paraguay), wo das Wasser so schön plätschert. Die Reisebusse hier sind der absolute Luxus: Die Sitze sind breit und urst bequem, lassen sich fast ganz zurückklappen und haben eine Fußablage. Ich hab geschlafen wie ein Baby. Lag vielleicht auch am Wein, den gab's zum Essen, wie im Flugzeug. Dazu Filmchen, und zack schon waren wir da. Von der argentinischen Stadt Puerto Iguazú fuhren wir nach Foz de Iguazú in Brasilien, wo unser Hotel war. Kurz frisch machen und ab zu den Fällen, unser Zeitplan war straff.
Die brasilianische Seite bietet den Panoramablick, während man auf der argentinischen Seite näher rankommt. Wir folgten der allgemeinen Empfehlung zuerst die brasilianische Seite zu besuchen. Direkt am Anfang des Weges begrüßte uns eine Nasenbärfamilie. Weil wir vor einer chinesischen Reisegruppe flüchten mussten (die sind wirklich überall), konnten wir leider nicht weiternäseln, doch schon um die nächste Ecke trafen wir Familie 2 und 3. Der Vorwitzigste schmiss sich in einen Mülleimer, machte einen Heidenlärm und kam mit... Trommelwirbel... einer Plastiktüte und stolzgeschwellter Brust wieder raus. Wow. Eine Plastiktüte, da wird sich die Familie ja freuen. Unsere Aufmerksamkeit wurde von besagtem Panoramablick abgelenkt, und unsere Fotoapparate schwenkten von den possierlichen Tierchen auf das imposante Naturschauspiel. Um jede Ecke lauerte eine neue Ansicht- Wasserfall von links, von rechts, fern und immer näher, immer näher zum Herzstück, zur garganta del diabolo, zum Teufelsschlund. Es floss gerade weniger Wasser als normalerweise, weswegen man wohl irgendwie mehr sah und näher rankam, wie man uns sagte. Der Teufelsschlund bestach durch seine Imposanz und den Regenbogen vom Spritzwasser, ich konnte meinen Blick (und meine Kamera) nicht abwenden. Nur ab und an wechselte ich von Weitwinkel auf Super-Makro, um einen der vielen Schmetterlinge abzulichten. Am Abend waren wir völlig fertig,- Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und lange Fußmärsche sind eine tödliche Mischung.
Am nächsten Tag besichtigten wir dann die argentinische Seite. Fast wären wir nicht reingekommen, unsere Karten funktionierten in Brasilien nicht und der einzige Geldautomat auf der argentinischen Seite war kaputt. Na großartig! Zum Glück hatten meine Eltern noch ein paar Euros dabei, die wir dann bei einem Typ wechseln konnten, der das eigentlich gar nicht durfte. Unser Weg führte uns direkt zum Teufelsschlund durch eine atemberaubend schöne Landschaft. Wenige Meter entfernt von einem der größten Wasserfälle der Welt zu stehen (man streitet ob die Niagarafälle oder die Iguazúfälle die Größten sind) fühlt sich erhebend an. Das laute Tosen, die herabstürzenden Wassermassen, das Spritzwasser im Gesicht, da fühlt man sich lebendig! Nachdem wir uns endlich von diesem Anblick losreißen konnten, marschierten wir durch den tiefsten Dschungel zur Bootsanlegestelle. Und wo geht mir meine Tasche kaputt? Nicht in der Stadt, wo ich die ganze Zeit bin. Nein, natürlich genau dort im Dschungel, wo nichts ist außer Bäumen, Pflanzen und Tieren. Was soll's, das Boot rief. Und es fuhr mich direkt in den zweitgrößten Wasserfall, mitten rein! Pitsche-patsche nass kehrte ich an Land zurück, wo meine Eltern mich mit einem süffisanten Grinsen erwarteten. Egal, ich war glücklich. Und ich bin es immer noch.
(Fotos bei Picasa)
Die Nacht von Montag auf Dienstag fuhren wir 17 Stunden mit dem Bus zum Drei-Länder-Eck (Argentinien, Brasilien und Paraguay), wo das Wasser so schön plätschert. Die Reisebusse hier sind der absolute Luxus: Die Sitze sind breit und urst bequem, lassen sich fast ganz zurückklappen und haben eine Fußablage. Ich hab geschlafen wie ein Baby. Lag vielleicht auch am Wein, den gab's zum Essen, wie im Flugzeug. Dazu Filmchen, und zack schon waren wir da. Von der argentinischen Stadt Puerto Iguazú fuhren wir nach Foz de Iguazú in Brasilien, wo unser Hotel war. Kurz frisch machen und ab zu den Fällen, unser Zeitplan war straff.
Die brasilianische Seite bietet den Panoramablick, während man auf der argentinischen Seite näher rankommt. Wir folgten der allgemeinen Empfehlung zuerst die brasilianische Seite zu besuchen. Direkt am Anfang des Weges begrüßte uns eine Nasenbärfamilie. Weil wir vor einer chinesischen Reisegruppe flüchten mussten (die sind wirklich überall), konnten wir leider nicht weiternäseln, doch schon um die nächste Ecke trafen wir Familie 2 und 3. Der Vorwitzigste schmiss sich in einen Mülleimer, machte einen Heidenlärm und kam mit... Trommelwirbel... einer Plastiktüte und stolzgeschwellter Brust wieder raus. Wow. Eine Plastiktüte, da wird sich die Familie ja freuen. Unsere Aufmerksamkeit wurde von besagtem Panoramablick abgelenkt, und unsere Fotoapparate schwenkten von den possierlichen Tierchen auf das imposante Naturschauspiel. Um jede Ecke lauerte eine neue Ansicht- Wasserfall von links, von rechts, fern und immer näher, immer näher zum Herzstück, zur garganta del diabolo, zum Teufelsschlund. Es floss gerade weniger Wasser als normalerweise, weswegen man wohl irgendwie mehr sah und näher rankam, wie man uns sagte. Der Teufelsschlund bestach durch seine Imposanz und den Regenbogen vom Spritzwasser, ich konnte meinen Blick (und meine Kamera) nicht abwenden. Nur ab und an wechselte ich von Weitwinkel auf Super-Makro, um einen der vielen Schmetterlinge abzulichten. Am Abend waren wir völlig fertig,- Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und lange Fußmärsche sind eine tödliche Mischung.Am nächsten Tag besichtigten wir dann die argentinische Seite. Fast wären wir nicht reingekommen, unsere Karten funktionierten in Brasilien nicht und der einzige Geldautomat auf der argentinischen Seite war kaputt. Na großartig! Zum Glück hatten meine Eltern noch ein paar Euros dabei, die wir dann bei einem Typ wechseln konnten, der das eigentlich gar nicht durfte. Unser Weg führte uns direkt zum Teufelsschlund durch eine atemberaubend schöne Landschaft. Wenige Meter entfernt von einem der größten Wasserfälle der Welt zu stehen (man streitet ob die Niagarafälle oder die Iguazúfälle die Größten sind) fühlt sich erhebend an. Das laute Tosen, die herabstürzenden Wassermassen, das Spritzwasser im Gesicht, da fühlt man sich lebendig! Nachdem wir uns endlich von diesem Anblick losreißen konnten, marschierten wir durch den tiefsten Dschungel zur Bootsanlegestelle. Und wo geht mir meine Tasche kaputt? Nicht in der Stadt, wo ich die ganze Zeit bin. Nein, natürlich genau dort im Dschungel, wo nichts ist außer Bäumen, Pflanzen und Tieren. Was soll's, das Boot rief. Und es fuhr mich direkt in den zweitgrößten Wasserfall, mitten rein! Pitsche-patsche nass kehrte ich an Land zurück, wo meine Eltern mich mit einem süffisanten Grinsen erwarteten. Egal, ich war glücklich. Und ich bin es immer noch.
(Fotos bei Picasa)
Montag, 11. Mai 2009
visita de mis padres
Seit Montag sind meine Eltern da. Man war das anfangs komisch die plötzlich in Buenos Aires auf der Straße stehen zu sehen! Dann wurde es aber ziemlich schnell normal und schön natürlich auch. Die letzten Tagen habe ich also mit dolmetschen und herumführen verbracht, das bunte Touristenführer-Fähnchen hab ich aber weggelassen. Jetzt lern ich auch mal die nicht ganz so spottbilligen (obwohl immer noch im Vergleich zu Deutschland billigen) Restaurants kennen und lass mich fein einladen. Nett. Gleich
düsen wir 17 Stunden mit so 'nem Luxusreisebus nach Iguazú zu den Wasserfällen, Donnerstagmorgen beglücken wir dann wieder die Hauptstadt. Mehr dazu gibbet dann später, muss mich mal auf den Weg zum Busbahnhof machen, sonst fällt das Wasser ohne mich!
düsen wir 17 Stunden mit so 'nem Luxusreisebus nach Iguazú zu den Wasserfällen, Donnerstagmorgen beglücken wir dann wieder die Hauptstadt. Mehr dazu gibbet dann später, muss mich mal auf den Weg zum Busbahnhof machen, sonst fällt das Wasser ohne mich!
Samstag, 2. Mai 2009
tranquilo y ruidoso

tranquilo - Am Donnerstagabend konnte ich dann nach der Redaktionsarbeit (Korrekturlesen, Kürzen und Überschriften finden) zur Buchmesse und zu Henning Mankell. Dank Einladung kam ich umsonst rein, dann musste ich bloß noch auf dem Riesengelände den richtigen Saal finden. Bei mehr als 1500 Ausstellern und insgesamt 1,2 Millionen Besuchern war das dann doch nicht so leicht, wie zunächst angenommen. Nach mehrfachem Durchfragen, Durchqueren von zahlreichen Hallen, Gängen, Türen und Plätzen und einem ausartenden Fußmarsch habe ich es aber dann doch geschafft. Was ich bisher in meinen Artikeln vielleicht noch nicht erwähnt habe: Buenos Aires ist die Stadt der Schlangen. Egal was, egal wo, überall treffe ich auf riesige Warteschlangen (selbst im Kino!), die ständig länger statt kürzer werden. Noch nie habe ich so langsame Supermarktkassiererinnen gesehen und dazu so entspannt wartende Kunden. Ein Phänomen. Ich schweife ab, worauf ich hinaus wollte: Vor dem Saal war so eine Monsterschlange, die weit bis nach draußen führte. Ich habe mich gegen die Schlange und für die Messe entschieden. Nachdem ich mich also bis zur Saalöffnung durch die Bücherstände geschmökert hatte, konnte ich nach der Meute ohne zu warten rein. Die Leute sind schon blöd. Naja, die Rede von Mankell war dann echt interessant, obwohl sie sich sehr mit seinen vorigen Reden glich. Aber ein netter Kerl, der Henning. Und für mich ein netter erster Termin.
ruidoso - 1. Mai, Tag der Arbeit. In Deutschland schwingt das Volk sich auf's Rädchen und isst 'ne Bratwurst, hier geht das Volk auf die Straße und demonstriert. Da der Argentinier ja ein bisschen feuriger als der durchschnittliche Deutsche ist, fallen die Demonstrationen auch etwas feuriger aus (keine Angst, nicht wörtlich nehmen). Ich fand mich also gestern auf dem Plaza de Mayo zwischen tausenden Demonstranten wieder, die mit lauten Sprechchören den Staat anprangerten. Trommeln, Lautsprecherdurchsagen, Knallen. Ein Meer aus hunderten Bannern und Plakaten wogte auf dem Platz, vom Casa Rosada (Regierungssitz) durch Metallzäune und Polizistenketten getrennt. An kleinen Ständen wurden Bücher über den Sozialismus verkauft, Marx und Engels, Che Guevara und Ähnliche dominierten die Buchdeckel. Viele Linksparteien riefen zur Revolution auf und forderten auf Flugblättern die Wahlverweigerung: Primero el trabajo, despues votamos - Zuerst die Arbeit, dann wählen wir. Auf Plakaten wurden Fotos von Vermissten in die Höhe gerissen, die während der Militärdikatur "verschwanden".
Mehr Fotos findet ihr bei meinen Picasa-Alben.
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